1. Mannschaft 1949/1950

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Dieser Artikel behandelt die 1. Fußballmannschaft 1949/1950 der SG Friedrichstadt und teilweise der SG Mickten bzw. BSG Sachsenverlag Dresden sowie der BSG VVB Tabak Dresden und des Exil-DSC. Weitere Mannschaften der SG Friedrichstadt in diesem Spieljahr sind unter Saison 1949/1950 zu finden.
1. Mannschaft 1949/1950
Vereine SG Friedrichstadt
SG Mickten
BSG Sachsenverlag Dresden
BSG VVB Tabak Dresden
Dresdner SC
Sportart Fußball
Mannschaft 1. Männermannschaft
Spieljahr Saison 1949/1950
Spielklasse DS-Liga (1. Liga)
Saisonübersicht
1. Mannschaft 1948/1949
1. Mannschaft 1950/1951

In der Saison 1949/1950 wurde die 1. Mannschaft der SG Friedrichstadt Zweiter der DS-Liga und somit DDR-Vizemeister. Im FDGB-Pokal auf nationaler Ebene trat bereits die BSG Sachsenverlag Dresden als Nachfolger an und erreichte das Viertelfinale.

Skandalspiel und die Folgen[Bearbeiten]

SG Friedrichstadt – ZSG Horch Zwickau

Am letzten Spieltag der DS-Liga unterliegt die SG Friedrichstadt der ZSG Horch Zwickau am 16. April 1950 mit 1:5 (1:3) vor über 60.000 Zuschauern im Heinz-Steyer-Stadion im Ostragehege. Weitere 40.000 Menschen, die nicht mehr in das Stadion durften, warteten vor den Eingängen. Obwohl das Spiel erst um 15:30 Uhr beginnen sollte, war der Stadionvorplatz bereits um 8 Uhr morgens überfüllt. Einige Anhänger übernachteten sogar vor dem Stadion, um sich einen Platz zu sichern. Drei Unentwegte versteckten sich bereits am Vortag im Stadion. Auch waren gefälschte Eintrittskarten im Umlauf, angeblich von einer Zwickauer Druckerei gefertigt. Immerhin 92 Stück zum Wucherpreis von 20 DDR-Mark konnten von der Volkspolizei vor dem Chemnitzer Hauptbahnhof und in Dresden-Cotta sichergestellt werden. Auf dem Schwarzmarkt kostete ein Ticket bis zu 100 DDR-Mark. Das war ein damals unvorstellbar hoher Preis, denn der Normalpreis betrug 80 Pfennig. Der Zuschauerschnitt bei den Heimspielen der SG Friedrichstadt betrug in dieser Saison für die damalige Zeit unglaubliche 28.066 Menschen, das war deutschlandweiter Rekord. Schiedsrichter Willi Schmidt aus Schönebeck hatte, wie später nachgewiesen wurde, von den DDR-Funktionären den Befehl bekommen, für Zwickau zu pfeifen. Aufgrund des offensichtlichen Betruges finden nach Spielschluss im Stadion die größten Ausschreitungen in der Geschichte der noch jungen DDR statt. Der letzte Deutsche Meister, ein bürgerlicher Verein, hätte unter keinen Umständen erster DDR-Meister werden dürfen. Den Friedrichstädtern blieb nur die Vizemeisterschaft. Die angekündigten Medaillen dafür haben die Spieler bis heute nicht erhalten. "Besonders aber begrüßen wir es, daß die Sportler der großen Betriebssportgemeinschaft eines volkseigenen Betriebes diesen Sieg errungen haben. Sind sie es doch, die durch ihre unermüdliche Arbeit mitgeholfen haben und ständig weiter mithelfen, die Lebenslage unseres ganzen Volkes zu verbessern. Ihr Sieg in dieser Meisterschaft bewies, daß die Demokratische Sportbewegung auf dem richtigen Wege ist, wenn sie ihre besondere Aufmerksamkeit und Förderung dem Betriebssport in den Betrieben des Volkes zuwendet. Und darum werden die provokatorischen Ausschreitungen nach dem Spiel der Anlaß dazu sein, nun erst recht die Arbeit in den Betriebssportgemeinschaften zu verstärken", so Manfred Ewald, Leiter Abteilung Sport im Deutschen Sportausschuß.

Die Krawalle nehmen die DDR-Politiker zudem als willkommenen Grund, Stadion und Mannschaft zu sperren. Der beim Spiel anwesende Walter Ulbricht persönlich verspricht, "den alten DSC-Geist mit Stumpf und Stiel auszurotten". Die Erinnerung an große Zeiten sollte ausgelöscht werden. Mannschaftskapitän Helmut Schön wird wegen angeblicher Unsportlichkeit für ein Jahr gesperrt. Helmut Schön: "Ich stand wie vor einem Tribunal. Der Sportausschuß hatte mich wegen der Skandalszenen vorgeladen. 'Sie haben die Ausschreitungen in Dresden provoziert! Wir brauchen in unserem sozialistischen Sport keine Spieler, die noch an den alten Traditionen hängen. Nach Pfingsten werden wir über Sie disponieren, Schön!'" Spieler Hans Kreische im Rückblick: "Wir hatten schon vor dem entscheidenden Spiel im Ostragehege den Eindruck, dass vieles gegen uns ging. Wir galten als die Nachfolger der berühmten DSC-Mannschaft, als bürgerliche Truppe. Verbindungen nach dem Westen waren natürlich da. Das war manchem Funktionär ein Dorn im Auge. Außerdem trugen wir schwarze Hosen, weiße Hemden und hatten auf unserem Emblem die DSC-Fahne. Da meinten manche, wir wären Nazis. Das stimmt nicht. In unserem Verein verkehrten Geschäftsleute, die uns unterstützten. Von ihnen habe ich manches gelernt. Da konnten sich die Spieler auch mal was abholen. Ich bekam beispielsweise von Bramsch, wo ich arbeitete, einmal ein Stück Hefe. Was haben wir uns gefreut. Beim Bäcker gab es dafür zwei, drei Brote. Ulbricht hat uns Dresdnern damals überhaupt nicht gratuliert. Er sprach bei der Meisterfeier in Loschwitz nur zu den Zwickauern, als ob es uns überhaupt nicht geben würde. Wir saßen da wie die dummen Jungs, wurden überhaupt nicht beachtet. Da haben wir uns leise abgesprochen, sind aufgestanden und rausgegangen. Was sollten wir dort? Wir sind als Mannschaft ins Stadion gefahren und haben mit unseren Fans im Ostragehege gefeiert. Bis früh haben wir Bier getrunken. Es waren unglaubliche Stunden."

Das verlogene Gesicht des Unrechtsstaates DDR, es zeigte sich in den staatstreuen Zeitungen: "Das Publikum im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion setzt sich zum größten Teil aus den Anhängern des Dresdner Sport-Clubs zusammen. Der Dresdner Sport-Club ist in der Mannschaft von Dresden-Friedrichstadt zusammengefaßt. Die Sportgemeinschaft Friedrichstadt ist aber eine Sportgemeinschaft der Demokratischen Sportbewegung, sie stellt also grundsätzlich etwas anderes dar als der frühere Feudalclub des DSC. Das haben offenbar noch nicht alle Spieler bei Friedrichstadt so recht begriffen, sonst hätten sie nicht nach Abpfiff des Spiels kurzerhand das Spielfeld verlassen, ohne ihren Gegner, der immerhin einen 5:1-Sieg errang, zu der Meisterschaft zu gratulieren. Noch viel weniger scheint aber die frühere Anhängerschaft des DSC begriffen zu haben, daß der Club und seine unrühmliche Tradition der Vergangenheit angehört." Wie anders da doch Mannschaftskapitän Helmut Schön, mit echtem DSC-Geist auf der Meisterehrung: "Die ZSG Horch Zwickau war unbestreitbar die bessere Mannschaft. Wir reichen unseren Zwickauer Kameraden die Freundeshand." Und das nach diesem Spiel, einem Spiel, in dem die Zwickauer überhart zu Werke gingen durften und bewusst versuchten, die Friedrichstädter Mannschaft zu dezimieren. Einem Spiel, in dem die Zwickauer Führung zum 1:2 regelwidrig erzielt wurde. Einem Spiel, in dem die foulbedingte Dezimierung der Dresdner Mannschaft auf acht Spieler vom Schiedsrichter ignoriert wurde. Sogar die SED-Tageszeitung Neues Deutschland muss zugeben: "Eine sehr schlechte Leistung des Schönebeckers Schiedsrichters Schmidt, der seinem Amt in keiner Weise gewachsen war."

Weltspiegel-Bericht im Juni 1950

Schon Wochen vor dem Spiel gegen Zwickau hatten sich die meisten Spieler der SG Friedrichstadt dazu entschlossen, nach West-Berlin zu flüchten und bei Hertha BSC zu spielen. Aus Trotz gegen die staatliche Willkür rückten die Spieler noch enger zusammen. Sie besannen sich auf die großen Sport-Club-Traditionen, wollten den Namen DSC erhalten und fassten den Entschluss, gemeinsam im Westen als Mannschaft weiterzumachen. Als Hertha BSC/DSC wurde die Saison 1950/1951 in der Vertragsliga Berlin gespielt. Die Gründung dieser Spielgemeinschaft erfolgt am 7. Juni 1950. Helmut Schön im West-TV: "Unsere Mannschaft ist geschlossen nach West-Berlin gekommen, weil wir es im Interesse unserer sportlichen Entwicklung für nötig erachteten. Wir wollen hier frei und ungehemmt unserem Lieblingssport huldigen und freuen uns, wenn wir recht bald wieder mit Erfolgen aufwarten können." Die Fußball-Woche berichtet: "Hertha BSC und der Dresdner SC schrieben, jeder für sich und zu verschiedenen Zeiten, ein Stück deutscher Fußballgeschichte. Die besondere Konstellation im zerrissenen Nachkriegsdeutschland hat sie zusammengeführt, und so ist es als ein Akt der gegenseitigen Achtung zu bezeichnen, daß auch auf den Jerseys der Spieler jetzt beide Vereinswappen prangen." Bei der Flucht der Mannschaft hatte auch der jüdische Kaufmann Ignatz Bubis aus Berlin, ein DSC-Fan, tatkräftig mitgeholfen. Dazu die DDR-Presse: "Die Spieler der ehemaligen ersten Fußballmannschaft der Sportgemeinschaft Dresden-Friedrichstadt verließen das Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik. Dieser Schritt der Spieler ist die Fortsetzung ihres unsportlichen und undemokratischen Verhaltens im Heinz-Steyer-Stadion anläßlich der Fußballmeisterschaft der DDR. Einige dieser Spieler haben bereits seit langer Zeit der Demokratischen Sportbewegung Schaden zugefügt. Ihr Abgang bedeutet daher für die dem Frieden dienende Demokratische Sportbewegung keinen Verlust. Für die Demokratische Sportbewegung ziehen wir aus diesem Vorfall die Lehre, noch besser und intensiver zu lernen, zu arbeiten und zu trainieren, unsere jungen Sportler zur Liebe zu unserer Deutschen Demokratischen Republik und ihrem Präsidenten Wilhelm Pieck zu erziehen, sie bereit zu machen zur Arbeit und zur Verteidigung des Friedens. Vorbild dabei sind uns die Sportler der großen sozialistischen Sowjetunion sowie die Sportler der Volksdemokratien. Die Nationale Front des demokratischen Deutschland ist eine Macht in ganz Deutschland, sie überzeugt und organisiert, und morgen wird sie ganz Deutschland befreien."

Nochmal Spieler Hans Kreische: "Das kam alles richtig ins Rollen, nachdem man unsere Mannschaft von Dresden-Friedrichstadt im entscheidenden Spiel um die erste DDR-Meisterschaft gegen Horch Zwickau betrogen hatte. Wir wurden jedenfalls mächtig verschaukelt. Man wollte uns damals nicht als Meister, weil wir als bürgerlicher Verein galten, als Nachfolger des berühmten Dresdner SC. Helmut Schön war als erster weg. Der war schon alleine abgehauen. Der kannte einen zuverlässigen Spediteur, nahm Urlaub und verschwand mit seinen Möbeln nach Berlin. Wir anderen Spieler beschlossen dann, ebenfalls zu Hertha zu wechseln. Wir sind dann mit einer Taxe von Dresden nach Berlin gefahren, Drognitz, Keßler, mein Bruder Max und ich. Das war damals alles geheim. Ignatz Bubis hatte einen Laden in Dresden, da wurden Tauschgeschäfte abgewickelt. Der hat sich mit viel Fleiß nach oben gearbeitet. Bubis war ein fußballverrückter Mann. Der trainierte oft bei uns, bei Friedrichstadt, mit. Als Geschäftsmann unterstützte er uns auch ab und an, gab mal ein Mittagessen aus oder steckte uns eine Flasche Likör zu. Bubis war bereits 1950 nach West-Berlin gegangen, riet uns, zu Hertha zu wechseln und wenn ich mich richtig erinnere, organisierte er einen großen Wagen, mit dem einige Spieler dann nach Berlin fuhren. Wir Sachsen gewannen bei einem ersten Test gegen die Berliner bei der Hertha mit 4:2. Helmut Schön spielte da einen guten Ball und vorne gelangen Bomber Lehmann die Tore. Schon da begannen die ersten Mißverständnisse, kam erster Neid auf. Das Verhältnis zwischen den beiden Mannschaftsparteien war gestört. Wir waren auch im Charakter, in der Mentalität zu unterschiedlich. Das alles kam nie richtig unter einen Hut."

Dresdner SC 1939 bis 1950

Seine letzte Partie als Trainer von Hertha BSC/DSC hatte Helmut Schön, der zuvor verletzungsbedingt nur drei Punktspiele als Spieler absolvierte, am 18. Februar 1951 beim 1:1 gegen den Berliner SV 1892. Als daraufhin Hertha die Buchstaben DSC wieder aus dem Namen gestrichen hatte, obwohl von den elf Exil-Dresdnern zeitweilig neun und nur zwei Berliner aufliefen, trennte man sich zum Saisonende im Sommer 1951. Die Spieler wechselten im Juli 1951 als eigenständige Fußballabteilung Dresdner SC zur TSG Heidelberg 1878. Am 30. April 1952 zum 54. Geburtstag des DSC machte sich der Dresdner SC in der TSG Heidelberg 1878 als Dresdner Sport-Club Heidelberg selbstständig. Im September 1952 schließlich wechselte die komplette Fußballabteilung der TSG Heidelberg 1878 zum Dresdner SC Heidelberg. Erst am 28. Juni 1968, als schon lange keine Dresdner mehr in Heidelberg spielten, wurde aus dem DSC Heidelberg der heutige Heidelberger SC. Helmut Schön rückblickend im Jahre 1970: "In einer Verhandlung, die für einen späteren Zeitpunkt angesetzt war, wollte man mich offenbar wegen der Vorgänge im Spiel gegen Zwickau verurteilen, obwohl alle wußten, wer die eigentlichen Schuldigen waren. Im zertrümmerten Dresden war die sportkameradschaftliche Verbundenheit der Freunde vom Ostragehege der letzte Halt gewesen, der Heimat die Treue zu bewahren. Durch glückliche Umstände waren wir bei der Bombardierung am Leben geblieben, aber nun kam dieser letzte Schock, und der Weg mit meiner Familie konnte nur dorthin führen, wo der Sport von politischem Druck und staatlichem Zwang frei war. Unter diesen Umständen verließen wir zu Pfingsten 1950 unser geliebtes Dresden. Wenig später gingen auch die restlichen Mitglieder der Mannschaft nach Berlin und schlossen sich der ruhmreichen Hertha BSC an. Ich war davon überrascht und blieb bei meinen alten Kameraden, obwohl ich ein Angebot als Trainer in Westdeutschland hatte. Der neue Verein trug einige Zeit den Namen Hertha BSC/DSC, aber die Verhältnisse waren schließlich stärker als der Wille, zusammenzubleiben. Trotz vorbildlicher Betreuung seitens des Berliner Verbandes und redlicher Bemühungen von Hertha BSC kam nie eine rechte Ehe zustande. Unzufriedenheit mit der Wohnung und den Arbeitsplätzen führte schließlich zu einer neuen Trennung. Ich hatte meinen Weg nach Westdeutschland längst angetreten, als sich der Rest der Dresdner in Heidelberg niederließ, um dort den alten DSC wieder aufleben zu lassen. Was aber schon die Berliner Zeit bewiesen hatte, wurde hier von neuem bestätigt: Einen Club kann man nicht fern von seiner Heimat wiedererstehen lassen und zur Blüte bringen. Eine Mannschaft allein ist noch kein Verein, und wenn der DSC wieder zum großen Sport-Club werden möchte, kann das nur in seiner Heimatstadt Dresden geschehen."

Wie schon vor dem letzten Saisonspiel der SG Friedrichstadt mitgeteilt, sollte sich diese laut Staatsmacht der BSG VVB Tabak Dresden (gegründet am 1. Juli 1910 als FC SV 1910 Striesen und Laubegast durch Zusammenschluss von vier sogenannten wilden Vereinen aus Blasewitz, Laubegast, Striesen und Tolkewitz, ab Februar 1921 SSV 1910 Dresden, kurze Zeit später Dresdner SV 1910, im Mai 1933 von den Nazis verboten und aufgelöst, am 22. Juni 1945 neugegründet als SG Striesen, 1948 bis 1949 ZSG Nagema Dresden, ab 1952 BSG Empor Tabak Dresden, am 27. Juni 1990 Rückbenennung in Dresdner SV 1910, dessen Fußballabteilung sich im Juni 1991 als SG Dresden-Striesen, welche am 8. Januar 1991 gegründet wurde, selbstständig machte) anschließen. Tabak-Vereinsvorsitzender Otto Nagel, ehemaliger Spieler des Dresdner SV 1910, war aus historischen Gründen gegen die Verpflanzung. Dennoch bestritten die ehemaligen Spieler der SG Friedrichstadt zwischen dem 30. April und dem 7. Mai 1950 zum Saisonabschluss noch drei Freundschaftsspiele unter dem Namen BSG VVB Tabak Dresden bei einer Stadtauswahl Görlitz (1:6), gegen die BSG Einigkeit Spremberg (3:1) und bei der SG Lauter (1:5). In der Folge flüchteten diese Spieler nach West-Berlin und die BSG VVB Tabak Dresden musste in der Landesklasse Sachsen verbleiben. Auch ein Versuch des ehemaligen DSC-Vorsitzenden Alwin Weinhold, unterstützt von Herbert Haufe und Hans Zehrer, die Friedrichstädter als Dresdner Sport-Centrum Eisenbahn unter der Trägerschaft der Deutschen Reichsbahn spielen zu lassen, wurde von den Kommunisten im Keim erstickt.

SG Friedrichstadt – ZSG Horch Zwickau

Die verbliebenen Spieler der weiteren Fußballmannschaften, nahezu der komplette Nachwuchsbereich und einige Trainer der SG Friedrichstadt schlossen sich noch im April 1950 der SG Mickten (1901 gegründet als FC Bayern Dresden, ab 1903 FC Brandenburg Dresden, 1920 Fusion mit dem FC Meteor Dresden zum Dresdner SV Brandenburg 01, 1933 Fusion mit dem VfR Dresden, 1908 gegründet, und dem SV Ring Greiling 1902 Dresden, von 1902 bis April 1915 Dresdner FC Fußballring, danach bis 1930 Dresdner Fußballring 1902, zu Dresdner Sportfreunde 01, 1945 Lösung der Fusion und Gründung der SG Pieschen als traditioneller Nachfolger von SV Brandenburg 01 Dresden und VfR Dresden, Ende April 1946 Anschluss an die SG Mickten, und der SG Neustadt-Mitte als traditioneller Nachfolger des Dresdner FC Fußballring, 1946 Fusion mit SG Neustadt-Ost, einer der Nachfolger der Dresdner SG 1893, zur SG Neustadt, ab 1950 BSG Bau-Union Dresden-Süd, ab 1952 BSG Aufbau Dresden-Mitte, am 4. Mai 1990 Rückbenennung in Sportfreunde 01 Dresden, am 1. Januar 2002 Fusion mit dem SV Dresden-Nord, ehemals u. a. BSG Funkwerk Dresden, BSG Motor Industriegelände Dresden und BSG Meßelektronik Dresden, zu Sportfreunde 01 Dresden-Nord) an. Da der Aufstieg der SG Mickten in die DS-Oberliga zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen war und Dresden nach dem Willen der politischen Machthaber einen Erstligisten haben sollte, wurde im Juni 1950 per Dekret die im Oktober 1948 gegründete und in der 1. Kreisklasse Dresden (5. Liga) spielende SV Deutsche Volkspolizei Dresden (ab 12. April 1953 SG Dynamo Dresden, ab 1. Juni 1990 1. FC Dynamo Dresden, seit 1. Juni 2007 wieder SG Dynamo Dresden) ins Oberhaus befördert. Zu diesem Zweck wurden am 28. Juli 1950 17 Spieler aus elf Städten nach Dresden delegiert.

Die SG Mickten muss sich am 1. Mai 1950 der im August 1948 gegründeten BSG Sachsenverlag Dresden (traditioneller Nachfolger des 1878 gegründeten ATV Pieschen und Sportplatz-Nachfolger des 1922 gegründeten SV Allianz Dresden, 1949 Übernahme der SG Kaditz, bis 1945 FC Sportfreunde Dresden-Kaditz 1909) anschließen. Neue Spielstätte ist das Stadion an der Eisenberger Straße, ehemals Allianz-Stadion (eröffnet am 17. September 1933) und ab 1951 Paul-Gruner-Stadion genannt. Diese, dem Ostragehege am nähesten gelegene Sportstätte, sorgt dafür, dass auch die noch nicht im April 1950 zur SG Mickten übergetretenen Mitglieder der Abteilung Fußball der ehemaligen SG Friedrichstadt nun größtenteils zur BSG Sachsenverlag Dresden weiterziehen. Die Clubfarben sind nun Rot-Weiß.

Abschlusstabelle[Bearbeiten]

Pl. Mannschaft Sp. S U N Tore Quote Punkte
1. Logo-ZSG-Horch-Zwickau.png ZSG Horch Zwickau 26 20 1 5 69:27 2,56 41-11
2. Logo-SG-Friedrichstadt.png SG Friedrichstadt 26 18 3 5 87:29 3,00 39-13
3. Logo-BSG-Waggonfabrik-Dessau.png BSG Waggonfabrik Dessau (P) 26 17 3 6 67:36 1,86 37-15
4. Logo-BSG-KWU-Erfurt.png BSG Kommunales Wirtschaftsunternehmen Erfurt 26 15 5 6 58:30 1,93 35-17
5. Logo-ZSG-Union-Halle.png ZSG Union Halle (M) 26 13 5 8 56:38 1,47 31-21
6. Logo-BSG-Franz-Mehring-Marga.png BSG Franz Mehring Marga 26 13 5 8 49:48 1,02 31-21
7. Logo-BSG-Maerkische-Volksstimme-Babelsberg.png BSG Märkische Volksstimme Babelsberg 26 10 4 12 42:66 0,64 24-28
8. Logo-ZSG-Industrie-Leipzig.png ZSG Industrie Leipzig 26 8 6 12 38:45 0,84 22-30
9. Logo-BSG-Einheit-Meerane.png BSG Einheit Meerane 26 9 3 14 38:56 0,68 21-31
10. Logo-BSG-Eintracht-Hans-Wendler-Stendal.png BSG Eintracht Hans Wendler Stendal 26 7 5 14 31:45 0,69 19-33
11. Logo-BSG-Gera-Sued.png BSG Gera-Süd 26 6 7 13 34:54 0,63 19-33
12. Logo-ZSG-Altenburg.png ZSG Altenburg 26 6 5 15 34:50 0,68 17-35
13. Logo-ZSG-Anker-Wismar.png ZSG Anker Wismar 26 6 5 15 35:60 0,58 17-35
14. Logo-SG-Vorwaerts-Schwerin.png SG Vorwärts Schwerin 26 4 3 19 30:84 0,36 11-41
Legende
Sieger der DS-Liga und DDR-Meister
Ligaverzicht (BSG VVB Tabak Dresden als Nachfolger der SG Friedrichstadt) und Absteiger in die DS-Liga Nord
(M) SBZ-Meister der Vorsaison
(P) FDGB-Pokalsieger der Vorsaison

In der Zuschauertabelle erreichte die SG Friedrichstadt den 1. Platz mit durchschnittlich 28.066 Besuchern pro Heimspiel. Walter Werner wurde mit 21 Treffern Torschützenkönig der DS-Liga. Allerdings wurden dem Zweitplatzierten Heinz Satrapa von der ZSG Horch Zwickau nachträglich drei Tore hinzugedichtet, damit man Walter Werner, der in den Westen geflüchtet war, nicht mehr als Torschützenkönig nennen musste.

Abschlusstabelle der Aufstiegsrunde zur DS-Liga[Bearbeiten]

Pl. Mannschaft Sp. S U N Tore Quote Punkte
1. Logo-BSG-Sachsenverlag-Dresden.png BSG Sachsenverlag Dresden 8 4 3 1 21:13 1,62 11-5
2. Logo-BSG-KWU-Weimar.png BSG Kommunales Wirtschaftsunternehmen Weimar 8 4 2 2 20:18 1,11 10-6
3. Logo-SG-Eisenhuettenwerk-Thale.png SG Eisenhüttenwerk Thale 8 4 1 3 23:14 1,64 9-7
4. Logo-ZSG-Grossraeschen.png ZSG Großräschen 8 3 1 4 16:15 1,07 7-9
5. Logo-SG-Vorwaerts-Wismar.png SG Vorwärts Wismar 8 1 1 6 8:28 0,29 3-13

Mannschaft[Bearbeiten]

Erste-1950-04-15.jpg

Kaderstatistik[Bearbeiten]

Position Spieler Einsätze Fussball.png
Torwart Kurt Birkner 26 0
Abwehr Kurt Jungnickel 20 2
Abwehr Gerhard Köhna 16 1
Abwehr Walter Kreisch 20 0
Abwehr Karl Kunstmann 12 0
Mittelfeld Gottfried Hövermann 17 0
Mittelfeld Hans Kreische 26 6
Mittelfeld Max Kreische 0 0
Mittelfeld Herbert Pohl 15 3
Mittelfeld Henry Steinbach 14 1
Sturm Rolf Drognitz 24 9
Sturm Hans-Joachim Haupt 9 2
Sturm Richard Hofmann 0 0
Sturm Henry Keßler 18 6
Sturm Kurt Lehmann 17 17
Sturm Helmut Schön 9 11
Sturm Horst Seifert 12 6
Sturm Horst Ullrich 6 2
Sturm Walter Werner 25 21

Mannschaftskapitän: Helmut Schön

Die Statistiken betreffen nur die Punktspiele in der DS-Liga.

Trainerstab[Bearbeiten]

Funktion Name
Spielertrainer Helmut Schön
Co-Trainer Walter Richter
Betreuer Curt Schultze

Punktspiele[Bearbeiten]

DS-Liga[Bearbeiten]

Spiel Tag Datum Uhrzeit Spielpaarung Ergebnis Zuschauer
1 Samstag 03.09.1949 15:30 Uhr BSG Märkische Volksstimme Babelsberg – SG Friedrichstadt 2:12 (0:6) 6.000
2 Sonntag 11.09.1949 15:30 Uhr SG Friedrichstadt – SG Altenburg-Nord 4:0 (2:0) 12.847
3 Sonntag 25.09.1949 15:30 Uhr ZSG Horch Zwickau – SG Friedrichstadt 1:0 (0:0) 13.848
4 Sonntag 02.10.1949 15:30 Uhr SG Friedrichstadt – ZSG Industrie Leipzig 3:0 (1:0) 20.010
5 Sonntag 11.12.1949 14:00 Uhr SG Friedrichstadt – ZSG Anker Wismar 11:0 (4:0) 10.000
6 Sonntag 16.10.1949 15:00 Uhr BSG Franz Mehring Marga – SG Friedrichstadt 4:0 (1:0) 10.000
7 Sonntag 23.10.1949 15:30 Uhr SG Friedrichstadt – BSG Eintracht Hans Wendler Stendal 6:1 (3:0) 25.000
8 Sonntag 30.10.1949 15:00 Uhr BSG Kommunales Wirtschaftsunternehmen Erfurt – SG Friedrichstadt 0:1 (0:1) 10.758
9 Sonntag 06.11.1949 14:30 Uhr SG Friedrichstadt – BSG Gera-Süd 3:1 (2:0) 22.000
10 Sonntag 18.12.1949 14:00 Uhr SG Friedrichstadt – BSG Waggonfabrik Dessau 4:0 (3:0) 40.000
11 Sonntag 20.11.1949 14:30 Uhr ZSG Union Halle – SG Friedrichstadt 1:4 (1:2) 25.000
12 Sonntag 27.11.1949 14:30 Uhr SG Friedrichstadt – BSG Einheit Meerane 1:2 (0:1) 30.000
13 Sonntag 04.12.1949 14:00 Uhr SG Vorwärts Schwerin – SG Friedrichstadt 0:2 (0:1) 1.415
14 Sonntag 08.01.1950 14:30 Uhr SG Friedrichstadt – ZSG Union Halle 1:0 (0:0) 35.000
15 Sonntag 15.01.1950 14:30 Uhr BSG Einheit Meerane – SG Friedrichstadt 3:4 (1:4) 9.000
16 Sonntag 22.01.1950 14:30 Uhr SG Friedrichstadt – BSG Franz Mehring Marga 8:0 (3:0) 24.000
17 Sonntag 29.01.1950 15:00 Uhr BSG Gera-Süd – SG Friedrichstadt 1:5 (1:1) 10.000
18 Sonntag 05.02.1950 15:00 Uhr ZSG Industrie Leipzig – SG Friedrichstadt 1:1 (0:1) 25.000
19 Sonntag 12.02.1950 15:00 Uhr ZSG Anker Wismar – SG Friedrichstadt 1:4 (0:3) 5.000
20 Sonntag 19.02.1950 15:00 Uhr SG Friedrichstadt – BSG Kommunales Wirtschaftsunternehmen Erfurt 0:0 40.000
21 Sonntag 05.03.1950 15:30 Uhr BSG Eintracht Hans Wendler Stendal – SG Friedrichstadt 1:3 (1:1) 10.000
22 Sonntag 12.03.1950 15:30 Uhr ZSG Altenburg – SG Friedrichstadt 2:0 (1:0) 11.000
23 Sonntag 19.03.1950 15:30 Uhr SG Friedrichstadt – BSG Märkische Volksstimme Babelsberg 1:1 (0:0) 30.000
24 Sonntag 02.04.1950 15:30 Uhr BSG Waggonfabrik Dessau – SG Friedrichstadt 2:3 (0:2) 16.000
25 Sonntag 09.04.1950 15:30 Uhr SG Friedrichstadt – SG Vorwärts Schwerin 5:0 (2:0) 16.000
26 Sonntag 16.04.1950 15:30 Uhr SG Friedrichstadt – ZSG Horch Zwickau 1:5 (1:3) 60.000

Aufstiegsrunde zur DS-Liga[Bearbeiten]

Zwischen April und Juni 1950 schloss sich ein Großteil der Mitglieder der SG Friedrichstadt der SG Mickten bzw. der BSG Sachsenverlag Dresden an, weswegen hier auch die Aufstiegsspiele zur DS-Liga (ab der Saison 1950/1951 DS-Oberliga) aufgeführt sind.

Spiel Tag Datum Uhrzeit Spielpaarung Ergebnis Zuschauer
1 Sonntag 16.04.1950 ??:?? Uhr SG Vorwärts Wismar – SG Mickten 1:1 (1:1) 3.500
3 Sonntag 30.04.1950 15:30 Uhr SG Mickten – ZSG Großräschen 4:1 (3:0) 8.000
4 Sonntag 07.05.1950 16:00 Uhr BSG Kommunales Wirtschaftsunternehmen Weimar – BSG Sachsenverlag 1:1 (1:1) 8.000
5 Sonntag 14.05.1950 16:00 Uhr BSG Sachsenverlag – SG Eisenhüttenwerk Thale 3:1 (0:1) 10.000
6 Sonntag 21.05.1950 16:00 Uhr BSG Sachsenverlag – SG Vorwärts Wismar 4:2 (3:0) 7.000
8 Sonntag 11.06.1950 ??:?? Uhr ZSG Großräschen – BSG Sachsenverlag 1:1 (0:1) 4.500
9 Sonntag 18.06.1950 ??:?? Uhr BSG Sachsenverlag – BSG Kommunales Wirtschaftsunternehmen Weimar 5:1 (?:?) ?
10 Sonntag 25.06.1950 ??:?? Uhr SG Eisenhüttenwerk Thale – BSG Sachsenverlag 5:2 (1:1) 12.000

Am 2. und 7. Spieltag hatte die SG Mickten bzw. die BSG Sachsenverlag spielfrei.

Pokalspiele[Bearbeiten]

FDGB-Pokal[Bearbeiten]

Die sechs Spielrunden der Endrunde des FDGB-Pokals wurden erst nach der Sommerpause und zur Vorbereitung auf die Saison 1950/1951 zwischen dem 6. August und dem 3. September 1950 ausgetragen, weswegen hier die Pokalspiele der BSG Sachsenverlag Dresden aufgeführt sind.

Spiel Tag Datum Uhrzeit Spielpaarung Ergebnis Zuschauer
1. Hauptrunde Sonntag 06.08.1950 16:00 Uhr BSG Melsa Halle – BSG Sachsenverlag 2:7 (?:?) 6.000
2. Hauptrunde Sonntag 13.08.1950 ??:?? Uhr BSG Lokomotive Cottbus – BSG Sachsenverlag 1:4 (1:1) 3.500
Achtelfinale Samstag 19.08.1950 ??:?? Uhr BSG Sachsenverlag – BSG VVB Tabak Dresden 2:0 (1:0) 12.000
Viertelfinale Mittwoch 23.08.1950 ??:?? Uhr BSG Sachsenverlag – BSG Märkische Volksstimme Babelsberg 3:3 n. V. (0:2, 3:3, 0:0 i. d. V.) 7.000
Viertelfinale Samstag 26.08.1950 ??:?? Uhr BSG Märkische Volksstimme Babelsberg – BSG Sachsenverlag 11:0 (4:0) 8.000

Privatspiele[Bearbeiten]

Testspiele der SG Friedrichstadt[Bearbeiten]

Tag Datum Uhrzeit Spielpaarung Ergebnis Zuschauer
Montag 26.12.1949 ??:?? Uhr SG Friedrichstadt – Stadtauswahl Dresden 7:2 (2:1) 5.000
Samstag 31.12.1949 18:00 Uhr SG Friedrichstadt – DDR 2:0 (2:0) 22.000
Mittwoch 22.02.1950 19:30 Uhr SG Friedrichstadt – Berliner SV 1892 ? ?

Freundschaftsspiele als BSG VVB Tabak Dresden[Bearbeiten]

Nach dem Zwangsanschluss an die BSG VVB Tabak Dresden traten die Spieler der ehemaligen SG Friedrichstadt noch in drei Freundschaftsspielen zum Saisonende an, bevor sie aus der DDR flüchteten. Das Spiel am 30. April 1950 in Görlitz wurde im Vorfeld noch als Partie der Stadtauswahl Görlitz gegen die SG Friedrichstadt angekündigt.

Tag Datum Uhrzeit Spielpaarung Ergebnis Zuschauer
Sonntag 30.04.1950 16:00 Uhr Stadtauswahl Görlitz – BSG VVB Tabak 1:6 (0:5) ?
Samstag 06.05.1950 ??:?? Uhr BSG VVB Tabak – BSG Einigkeit Spremberg 3:1 (?:?) ?
Sonntag 07.05.1950 ??:?? Uhr SG Lauter – BSG VVB Tabak 1:5 (1:1) 5.500
Exil-DSC vor dem Benefizspiel bei Hertha BSC am 7. Juni 1950 in West-Berlin

Benefizspiel als Dresdner SC[Bearbeiten]

Im Rahmen des Benefizspiels als Dresdner SC am 7. Juni 1950 in West-Berlin, dessen Einnahmen komplett den als politisch anerkannte Flüchtlinge geltenden Ex-Spielern der SG Friedrichstadt zu Gute kamen, erfolgte die offizielle Gründung der Spielgemeinschaft Hertha BSC/DSC, welche zwei Tage später auch öffentlich bekanntgegeben werden sollte.

Tag Datum Uhrzeit Spielpaarung Ergebnis Zuschauer
Mittwoch 07.06.1950 ??:?? Uhr Hertha Berliner SC – DSC 2:4 (?:?) 5.000